19. November 2017, 17 Uhr Kapelle

 

 "Die Welt im Kleinen"

 Ein musikalisch-utopisches Raritätenkabinett des 17. Jahrhunderts

 

Im zweiten Konzert tauchen wir ein in die „Welt der Wunderkammern und des Staunens“.1516 verfasste Thomas Morus den Roman „Utopia“. Utopia ist einer der frühesten Texte, die sich mit konkreten Utopien befassen. In der Spätrenaissance und im Barock entstanden unter anderem angeregt durch literarische Utopie-Entwürfe in der Kunstwelt die sogenannten „Wunderkammern“, die in eine Welt des Staunens entführen wollten. Diese facettenreichen und vielschichtigen Sammlungen, die sozusagen die „Welt im Kleinen“ präsentierten , regten ihrerseits in der Musik das Verfassen von Sonatenzyklen oder Sammlungen an, die besonders um Originalität und Exotik bemüht waren.

Die Wunderkammer birgt die komplette Welt des 17. Jahrhunderts im Kleinen. So verhält es sich ebenfalls mit den Stücken, die wir für das Konzert ausgesucht haben.  Die Violinliteratur des 17. Jahrhunderts bietet einen Kosmos an farbigen und experimentellen Werken, die den Hörer heute noch durch ihre Virtuosität und Ideenreichtum in ihren Bann zieht.  Der Vergleich mit einer Kunst- und Wunderkammer liegt nahe, da hier ebenfalls die verschiedenen Parameter wie handwerkliches (somit kompositorisches) Können, Ästhetik, Kuriosität und die Vorliebe für Effekte und Überraschungsmomente dem Publikum vor „Aug und Ohren“ geführt werden. Nicht umsonst spricht man gerade in dieser Epoche vom „Zeitalter des Staunens“.

Auf dem Programm stehen hauptsächlich Komponisten aus dem (süd-)deutschen Raum des 17. Jahrhunderts mit der Vorliebe für programmatische Titel wie „das Jägerhorn“, „ das Posthorn“ oder gar „das musicalisch Uhrwerk“. Dinge des Alltags, Choralmelodien oder gar Tierlaute und Geräusche werden musikalisch nachgeahmt und humorvoll in Szene gesetzt. Komponisten wie Wolfgang Carl Briegel, Pater Marianus Baal und Nicolaus Adam Strungk aber auch anonyme Werke aus der Sammlung des Wiener Minoritenkonvents sollen den Hörer in die bizarre Welt eines Raritätenkabinetts aus dem 17. Jahrhunderts entführen!  - Es darf gestaunt werden -  (Ralf Waldner)

 

Christoph Hesse, Violine
Haralt Martens, Violone in G
Ralf Waldner, Cembalo

 

 

 

 

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